Zu Besuch bei Tafel und Caritas in Überlingen

Wie groß auch am Bodensee trotz des großen Wohlstands der Bedarf für Hilfe und Solidarität ist, konnte der SPD-Bundestagskandidat Leon Hahn bei einem Besuch des Caritasverbands für das Dekanat Linzgau e.V und der Diakonie feststellen. „Die Verbände leisten großartige und wichtige Arbeit, stehen aber unter Druck und müssen mit immer weniger Geld immer mehr leisten, teils begründet durch geringere Kirchensteuer-Einnahmen“. Hier will der SPD-Politiker künftig stärker für Unterstützung werben. „Armut und Hilflosigkeit sind auch bei uns stark verbreitet. Oft sind die Angebote der Diakonie und Caritas die letzte Chance auf Hilfe. Hier müssen wir mehr tun und anerkennen, dass diese Arbeit einen Wert hat und gefördert werden muss“, so Leon Hahn.

Nach einem fachlichen Austausch besuchte der SPD-Politiker gemeinsam mit Sozialarbeitern die Überlinger Tafel und die Flüchtlingsunterkunft Goldbach. Bei den Gesprächen standen Sozial-, Renten- und Wohnungspolitik im Fokus. „Gerade für arme Menschen und Familien ist bezahlbarer Wohnraum das entscheidende Problem vor Ort“, so die Sozialarbeiterin. So müssten diese teils weit ins Umland ziehen, obwohl sie in Überlingen verankert seien. „Nicht immer ist aufsuchende Unterstützung möglich“, so Frau Demmer, Geschäftsführerin der Caritas Linzgau. Auch Leon Hahn zeigte sich besorgt. „Wir neigen als Gesellschaft teils zu einer ‚aus dem Auge, aus dem Sinn‘-Mentalität. Das ist aber gerade für hilfsbedürftige Menschen katastrophal“. Oft sei es sowohl aus sozialer aber auch aus gesellschaftlicher Sicht klüger, früh durch Prävention und Beratung zu unterstützen und die soziale Unterstützungsarbeit finanziell zu fördern, als später erst einzugreifen, wenn Menschen bereits in der Notlage seien.

Besonders beeindruckt zeigte sich Hahn von der Arbeit der Tafel. Die Nachfrage bei der Tafel sei nach wie vor hoch, so die Caritas, welche die Überlinger Tafel mit großem Einsatz betreibt. Dieses Jahr seien ungefähr 200 Berechtigungen ausgeben worden. Zudem verzeichne die Tafel jede Woche 70 bis 80 Besucher. Gerade während der Pandemie sei auch die Tafel zu einem sozialen Treffpunkt geworden. Petra Demmer, Geschäftsführerin der Caritas Linzgau, betont: „Oft kommen Menschen zur Tafel, die vereinsamt sind, die ganze Woche alleine in ihrer Wohnung verbringen und die Tafel als einzigen sozialen Anschlusspunkt nutzen“.

Ein für die Tafel herausforderndes Thema sei der gesellschaftliche Umgang mit Lebensmitteln: „Wir haben eine verschobene Wahrnehmung, was die Ablaufzeit von Lebensmitteln angeht. Die allermeisten Lebensmittel sind noch Tage oder teilweise Wochen nach dem Ablauf des Mindestverzehrdatums absolut genießbar und für die Gesundheit unbedenklich“, betont Norbert Sieveking, ehrenamtlicher Leiter der Tafel. Der SPD-Politiker forderte, sich ein Beispiel am Nachbar Frankreich zu nehmen: „In Frankreich dürfen genießbare Lebensmittel nicht entsorgt oder unbrauchbar gemacht werden, sondern müssen an wohltätige Organisationen gespendet werden. Dafür werde ich mich auch im Bundestag stark machen“, so Hahn.

Insgesamt sei für viele Menschen die Situation während der Pandemie besonders schwierig gewesen. „Auch wenn die Tafel eine enorm wichtige Arbeit leistet, muss es unser langfristiges politisches Ziel sein, entsprechende Einrichtungen durch ein kluges Sozialstaatskonzept überflüssig zu machen“, sind sich alle Beteiligten einig.

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